Spitalkirche

Spitalkirche Bayreuth Innenansicht

Spitalkirche Bayreuth

Inmitten der Bayreuther Innenstadt am unteren Marktplatz der Fußgängerzone liegt die Spitalkirche St.Elisabeth, sie ist Filialkirche der evangelisch-lutherischen Stadtkirchengemeinde.

Spitalkirche, Markgräfliches Opernhaus und die Eremitage sind als "Bayreuther Barock-Ensemble der Markgräfin Wilhelmine" in der "Den Haager Liste" eingetragen.

Eigentümer der Spitalkirche ist die Hospitalstiftung Bayreuth.

1) DAS BAYREUTHER BÜRGERSPITAL

Spitalgebäude und Spitalhof bilden seit Jahrhunderten eine Einheit, hinter der Kirche befindet sich der Spitalhof.

1398 werden Spital und Spitalmesse erstmals im "Bayreuther Landbuch" erwähnt. Stifter des Spitals sind die Burggrafen von Nürnberg (gleichzeitig damalige Stadtherren Bayreuths), die späteren Markgrafen von Brandenburg. Als Namenspatronin von Spital und Kirche ist die Heilige Elisabeth von Thüringen (1207-1231) nachweisbar.

Im 16/17. Jahrhundert entsteht der Nordost-Flügel des Spitals (Richtung Mühltürlein, Verlängerung der Kirche), der Torbogen zum Spitalhof trägt eine Barock-Kartusche mit Greifen-Wappen und Fürsten-Hut.

Der Nordwest-Flügel (entlang der Stadtmauer) wird 1848 erneuert, enthält aber noch Teile aus dem 16.Jahrhundert. An seinem Obergeschoss hängt die kleine Mahlzeitglocke von 1866.

Der Südwest-Flügel wird 1847 neu gebaut, es finden sich aber noch Steine mit der Jahreszahl 1608.

Die Erneuerung des Südost-Flügels (Maximilianstraße) vollzieht sich 1747/50, über dem Tordurchgang sind Inschrift-Steine mit Vers und Jahreszahl (1564) zu sehen.

1974
hört das Bürgerspital nach 600 Jahren auf zu bestehen. Das Haus konnte bis zu 25 Bewohner aufnehmen.

Ab 1975 erfolgt die Nutzung der ehemaligen Spitalgebäude als Studentenwohnheim.

1996 wird trotz Bedenken des Denkmalschutzes der Nordwest-Flügel zur Anbindung an eine Fußgängerbrücke durchbrochen.


2) DIE SPITALKIRCHE

Die Anfänge der Spitalkirche reichen bis ins 12.Jahrhundert, vermutlich noch über die Gründung eines Spitals hinaus, zurück. Im Hussitensturm 1430 wird sie schwer zerstört, der Wiederaufbau erfolgt unter Meister Oswald (Bamberg), 1439 findet die Weihe der gotischen Spitalkirche  (dreischiffig-basilikale Anlage mit hölzerner Empore) statt.

1574-1576
erfolgt ein Neubau der Kirche im Stil der Renaissance unter dem Steinmetz Jörg Matthes. 1659 gestaltet der Maler Lorenz Reincke (Kulmbach) das Kirchengestühl grün mit hellem Laubwerk, eine Bank mit dieser Bemalung steht heute noch rechts neben der Orgel auf der Empore.

1746 beschließt der markgräfliche Hof zu Bayreuth den Neubau der Spitalkirche:

In den Hospitalrechungen (Band 1749, Bl.129) des Stadtarchivs Bayreuth heißt es hierzu: "... nachdem man von löblicher Inspektion wegen nöthig nefunden, die Hospital-Kirche und das dabey befindliche Wohnhaus wegen Mangelhaftigkeit von neuem auferbauen zu lassen und zu dem Ende schon 1748 im Frühjahr der Grund hierzu gelegt worden".

1748-1750 wird die Spitalkirche (auf alten Fundamenten) im Stil des Barock durch den Bayreuther Hofarchitekten Joseph Saint-Pierre (neben dem Markgräflichen Opernhaus,der Schlosskirche und dem Neuen Schloss zählt die Spitalkirche zu seinen Hauptwerken) neu gebaut.


Die Fassade

Der Kirchenbau schließt mit einer zweigeschossigen Fassade zu fünf Fensterachsen und seitlichen Portalen den unteren Marktplatz wirkungsvoll ab.

1750 werden die plastischen Teile, gefertigt von dem Bayreuther Hof-Bildhauer Johann Gabriel  Räntz, eingefügt. Die Attika hinter dem Giebel trägt vier weibliche Gestalten, wohl Sinnbilder christlicher Tugenden. Weiter oben befinden sich je zwei Flammenvasen. Im mittleren Dreiecksgiebel erstrahlt zwischen Putten und Wolken das Auge Gottes in der Glorie.

Ursprünglich waren alle  bildhauerischen Werke weißgolden gefasst und das Glockentürmchen war rot gestrichen. Die Fassade wurde im Jahr 2005 aufwendig restauriert, der Wetterhahn auf der Turmspitze erhielt eine neue Feuervergoldung.

3) DER INNENRAUM

Die Spitalkirche ist eine typisch fränkische "Markgrafen-Kirche" auf nahezu quadratischem Grundriss, in dessen Mittelpunkt der Kanzelaltar mit Orgel steht; er wird von einer umlaufenden Empore umgeben.

Das Deckengemälde

Das Deckengemälde in Öl auf Kalkputz (1750) stammt von dem Dresdner Hof-Theatermaler Johann Benjamin Müller.

In leuchtend tiefen Farben wird die Berufungsvision des Propheten Jesaja (Jesaja 6) dargestellt: Ein Seraph berührt Jesajas Lippen mit einem glühenden Stück Kohle, damit er das Wort Gottes in Reinheit verkündigen kann.

Johann Benjamin Müller war Schüler von Johann Baptist Grone aus Venedig, der die künstlerische Ausmalung der Kuppel Dresdner Frauenkirche gestaltete.

Die Grisaille-Malereien

Die Grisaille-Malereien, die einst das Deckengemälde umgaben, wurden 1925 von dem  Kirchenmaler Anton Niedermaier aus Hohenbrunn/München restauriert, 1968 jedoch aus unverständlichen Gründen übertüncht. Auf einer einzig existierenden Fotografie aus dem Jahre 1966 sind die Grisaille-Malereien (tanzende und schlafende Putten auf Wolken) noch zu sehen. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege (Schloss Seehof) versucht derzeit herauszufinden, ob auch sie von Johann Benjamin Müller stammen.

Bei der nächsten Innenrestaurierung sollen die Grisaille-Malereien auf jeden Fall wieder sichtbar gemacht werden.

Der Stuck

Der Stuck von 1749/50 auf rose-farbigem Grund ist ganz in weiß gehalten und ein Werk des Bayreuther Hof-Stuckateurs Rudolf Albini. In vier Ecken der Decke sind Themen des Alten und Neuen Testaments dargestellt:

Der Tisch mit den Schaubroten im Tempel (rechts vorn)

Die Bundeslade mit dem Cherubim (rechts hinten)

Die Gebotstafeln mit Kreuz, Lanze und Essigschwamm als Symbole für Gesetz und Evangelium (links hinten)

Das Lamm auf dem Buch mit den sieben Siegeln (links vorn)

Die Orgel

Die Orgel (5 Register) liefert 1749/50 der Bayreuther   Hof-Instrumentenmacher Christian Gottlob Hubert, der feine Rokoko-Orgelprospekt stammt von Johann Gabriel Räntz und trägt den Namenszug F M Z B (Friedrich, Markgraf zu Bayreuth, 1735-1763).

1850 wird der Orgel-Prospekt in die Gottesackerkirche versetzt, die Spitalkirche erhält 1846 eine neue Orgel von Ludwig Weineck (Kulmbach) mit einem Biedermeier-Orgelprospekt.

Mit diesem Gehäuse verbindet 1956 die Firma Rieger, Schwarzach (Vorarlberg) das jetzige klangvolle Werk (2 Manuale, 17 Register).

Die Orgelweihe fand am 02.Juli 1956 mit Oberkirchenrat Kreisdekan Burkert (Bayreuth) und Landeskirchenmusikdirektor Högner (München) statt.


Der Kanzelaltar

Der Kanzelaltar in weiß und Gold mit vier korinthischen Säulen (Kapitelle mit Akkanthusblättern) ist ein Meisterwerk des Hof-Bildhauers Johann Gabriel Räntz.

Seitlich zwischen den Säulen stehen die lebensgroßen Figuren der Apostel Petrus (mit Himmelsschlüsseln und geschlossener Bibel in der Hand) und Paulus (mit Schwert und aufgeschlagener Bibel in der Hand; der Bibeltext lautet: "Wandelt würdiglich dem Herrn, zu allem Gefallen und seid fruchtbar in allen guten Werken"; entnommen aus dem Brief des Paulus an die Kolosser, 1, 10).

Das Altarbild (Ölgemälde) stellt die Beweinung Christi dar, stammt von Philipp Heinel (1828) und wurde erst später eingefügt.

Unter dem Pult des reich verzierten Kanzelkorbs zwei amüsante Puttenköpfe, die symbolisch "Gerechtigkeit und Friede küssen sich" (Psalm 85) verkörpern. Über dem Schalldeckel hält ein Putto das Kreuz mit Heiliger Schrift, außen auf den Giebelschenkeln des Gebälks zwei sitzende Engel, mittig je zwei Flammenvasen.


Die Paramente

Die Paramente an Altar und Kanzel stammen von der Paramenten-Werkstatt der Diakonissenanstalt Neuendettelsau (1973/1975). Die Farben wechseln je nach Kirchenjahreszeit, in der Spitalkirche sind folgende Motive zu sehen:

Rot: "Das Gleichnis vom Fischnetz" (Mt. 13)

Grün: "Die Hochzeit zu Kana" (Joh. 2)

Weiß: "Der gute Hirte" (Joh. 10)

Violett I (Advent): "Das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen" (Mt. 25)

Violett II (Passion): Die "arma Christi" in 15 szenischen Symbolen (Salbung zu Bethanien/Einzug in Jerusalem/Verrat des Judas/Einsetzung des Herrenmahls/Gefangennahme in Gethsemane/Verleugnung des Petrus/Begründung des Urteils/Dornenkrone mit Christusmonogram/Kreuzigung/Fußwaschung/Geißelung/Teilung der Kleider Jesu/Sonnenfinsternis/Ysop mit Essigschwamm/Abnahme Jesu vom Kreuz)

Schwarz: Barock-Parament (Chichester-Samt) mit Goldborten und Initialien aus dem Jahr 1768. Es wurde erstmals 1769 anlässlich der Trauerfeierlichkeiten für Markgraf Friedrich Christian aufgelegt.

Dieses Parament wurde durch Zufall bei der Auflösung des Bürgerspitals (1972/74) in einer versteckten Truhe wieder entdeckt.


Die Emporenbilder

Der Stadtmaler Elias Brendel malt 1637
die Emporenbilder (sie stammen noch aus dem Vorgänger-Bau der barocken Spitalkirche) als Biblia pauperum (Bibel der Armen). Auf 30 Tafeln ist die Lebensgeschichte Jesu dargestellt, links hinten beginnend mit Weihnachten bis rechts hinten zum Pfingstfest. Als Vorlage dienten teilweise Motive aus Dürers "Kleiner Passion".

Das Gestühl aus der Barockzeit

Das Gestühl aus der Barockzeit wurde leider 1968 durch ein neues ersetzt. Seither fehlen die seitlichen Klappsitze.


Das Vortragekreuz am Gestühl der Rückwand stammt aus dem Jahr 1750 und wurde 1973 restauriert.

Die Glocken

Auf dem Turm hängen drei Glocken. Sie kehrten nach dem 2. Weltkrieg unversehrt vom Hamburger Glockenlager zurück.

Die große Glocke (Durchmesser 70 cm) trägt die Inschrift:

CHRISTOPH SALOMON GRAULICH IN HOF GOß MICH 1750 / UNTER DER REGIERUNG DES DURCHLAUCHTIGSTEN / FÜRSTEN UND HERRN HERRN FRIEDERICHS MARGGRAFFENS ZU BRANDENBURG  E G T: BEY ERBAUUNG / UND VERNEUERUNG DER HOSPITAL-KIRCHE WAREN / HR. JOSEPH RODER BURGERMEISTER UND HOSPITAL-VORSTEHER / JOHANN FRIEDERICH GANSMANN / ADJUNCTUS

Die mittlere Glocke (Durchmesser 60 cm) trägt die Inschrift:

CHRISTOPH SALOMON GRAULICH IN HOF GOß MICH 1750

Die kleine Glocke (Durchmesser 50 cm) trägt die Inschrift:

ANNO 1732 GOß MICH CHRISTIAN VICTOR HEROLD IN NÜRNBERG / SIMON RICHTER / BURGERMEISTER UND HOSPITAL-VORSTEHER


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