Geschichte der Villa Wahnfried

 

Durch die im Laufe der Jahre größer werdende Familie wurde ein Anbau an der Ostseite des Hauses notwendig. Hier entstand das sogenannte Siegfried-Wagner-Haus welches 1876 begonnen, und später in den dreißiger Jahren durch einen Verbindungsbau mit dem Haus Wahnfried verbunden wurde.

Siegfried Wagners Witwe Winifred benutzte es als Gästehaus und beherbergte hier u. a. Richard Strauss und ab 1936 auch Adolf Hitler.

Jedoch fiel das Haus Wahnfried am 5. April 1945 dem Krieg zu Opfer. Durch den Einschlag einer Fliegerbrandbombe wurde die Villa zur Hälfte zerstört. Der Saal und die darüber liegenden Stockwerke brannten völlig aus. Riesiges Glück dagegen hatte die Bibliothek Richard Wagners, welche zwei Wochen zuvor auf Betreiben Wolfgang Wagners ausgelagert worden war.

Dennoch blieb die Vorderseite des Hauses verschont. Im Gegensatz zur Gartenseite des Hauses, welche rekonstruiert wurde, ist diese noch Original.

Das Haus fiel nach Kriegsende unter amerikanische Verwaltung und im Siegfried-Wagner-Haus wurde ein Offizierskasino eingerichtet. Winifred Wagner lebte hier nach dem Abzug der amerikanischen Besatzung bis zu ihrem Tode 1980.

Da sie jedoch in zwei Spruchkammerverhandlungen als Mitläuferin des nationalsozialistischen Regimes eingestuft worden war, durfte sie die Festspiele nicht mehr leiten.

Die gemeinschaftliche Verantwortung übergab sie somit ihren Söhnen Wieland und Wolfgang. Bereits 1951 gelang ihnen der Neubeginn der Bayreuther Festspiele. 

Bis zum Tode Wieland Wagners 1966 bewohnte die Familie Wagner die Villa Wahnfried.

Alleinverantwortlicher Leiter der Bayreuther Festspiele ist seitdem Wolfgang Wagner. Als Stiftung des öffentlichen Rechts wurde 1973 die Richard-Wagner-Stiftung gegründet. Deren Aufgabe ist die Verwaltung und Pflege des Erbes Richard Wagners. Die Familie Wagner brachte im wesentlichen das Festspielhaus und das Richard-Wagner-Archiv in diese Stiftung ein, und schenkte das Haus Wahnfried der Stadt Bayreuth.

Zum hundertjährigen Jubiläum der Bayreuther Festspiele, beschloss man im Jahre 1976 hier ein Richard-Wagner-Museum einzurichten. Das Haus Wahnfried wurde von 1974 bis 1976 im originalgetreuen Zustand wieder aufgebaut und schließlich als Richard-Wagner-Museum eröffnet.

Der Besucher wird bereits in der Halle mit einer Vielzahl an Familiengütern überschüttet.

In der haushohen Halle befinden sich neben einem Flügel (von Breitkopf & Härtl) und dem Kompositionsklavier aus dem Besitz Richard Wagners Marmorbüsten Richard und Cosima Wagners, König Ludwigs II. und Franz Liszts sowie der Helden aus Wagners Werken.

Der genius loci soll in den repräsentativen Räumen des Erdgeschosses spürbar werden.

Der angrenzenden Saal, welcher als Bibliothek und ehemaliger Wohnraum diente, beherbergt die rund 2500 Bände umfassende Bibliothek Richard Wagners. Hier finden sie auch den "Wahnfried Flügel", den Wagner 1876 von der Firma Steinway in New York als Geschenk aus Anlass der ersten Bayreuther Festspiele erhielt.

Leider ist vom originalen Interieur kaum noch etwas erhalten. Somit war eine Rekonstruktion nicht möglich.

Eine weitere einzigartige Attraktion ist das sogenannte "Klingende Museum."
In einem Saal mit einer 80 Personen fassenden Bestuhlung, werden über ein hochwertiges Sechskanal-Audiosystem drei mal täglich in Programmen zu 45-60 Minuten sowie auf Wunsch moderne und historische Wagner-Aufnahmen gespielt. Veranstaltungen wie z. B. die monatlichen "Sonntags-Soiréen" finden ebenfalls im Museum statt.

Der Raum rechts von der Halle, welcher früher als Speisezimmer diente, enthält eine Fotodokumentation zur Geschichte der Villa. Gelegentlich finden hier auch Sonntagsausstellungen statt. Ebenfalls für Sonderausstellungen ist der Raum links von der Halle, Cosima's "Lila Salon", vorgesehen.

In den ehemaligen Privaträumen der Familie im Ober- und Zwischengeschoss, befindet sich die ständige Ausstellung des Museums zu Leben und Werk Richard Wagners sowie zur Geschichte der Bayreuther Festspiele.

Hier befindet sich eine Vielzahl an authentischen, originalen Schrift- und Bilddokumenten. Das Museum verfügt ebenso über einen Videoraum, in welchem Aufzeichnungen von Festspielinszenierungen und Dokumentationen zu sehen sind, sowie das Kabinett mit Kuriosa, Kitsch und Kostbarkeiten rund um Wagner.

Villa Wahnfried in Bayreuth
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