20.01.2016

von Klinikum Bayreuth GmbH B° RB

Hilfe und Hoffnung für Helin

Ende einer Flucht ist Anfang eines neues Lebens: Ärzte der Klinikum Bayreuth GmbH operieren schwer behindertes kurdisches Mädchen

Ein ganzes Ärzteteam der Klinikum Bayreuth GmbH kämpft für Helins Gesundheit. Das schwer behinderte kurdische Mädchen hat alle Operationen gut überstanden. (v. l.): Jamal Abdulhamid Helins Mutter, Dr. Silvia Vieker, Dr. Rainer Getto, Dr. Almut Hirsch, Prof. Dr. Thomas Rupprecht, Dr. Hans Axel Trost, Dr. Claudia Naase, Dr. Miriam Grüninger und Helins Vater Yunus Abdulhamid

Viel haben die Eltern der kleinen Helin, Jwana und Yunus Abdulhamid nach Deutschland nicht mitgebracht. Aber eine große Hoffnung hatte sie: die, dass es in Deutschland Ärzte geben würde, die ihrer kleinen Tochter helfen könnten. Helin kommt vor fünf Jahren im Irak mit einem offenen Rücken und einem Wasserkopf zur Welt. Spina bifida und Hydrocephalus in der Fachsprache – eine häufige Kombination. In Deutschland wäre Helin bereits 24 bis 72 Stunden nach ihrer Geburt operiert worden, um den offenen Rücken, bei dem der knöcherne Wirbelkanal und zum Teil auch das Rückenmark offen liegen, zu verschließen. Auch den Wasserkopf, der durch eine Abflussstörung der Hirnflüssigkeit hervorgerufen wird, hätte man frühzeitig operativ behandelt. Damit wären Infektionen verhindert und Spätfolgen eingedämmt worden. In ihrer Heimat fehlen dazu sowohl Möglichkeiten als auch Mittel. So bleibt Helins Erkrankung unbehandelt – Angst vor Bakterien, Infektionen und wachsenden Beschwerden inbegriffen.

„Es ist ein Wunder, wie gut es Helin im Hinblick auf ihre Erkrankungen ging als sie in Bayreuth ankam“, sagen Prof. Thomas Rupprecht, Leiter der Kinderklinik, und Dr. Hans Axel Trost, Chefarzt der Klinik für Neurochirurgie, wo Helin später operiert werden wird. Zu verdanken habe sie das der guten Pflege und Betreuung durch die Eltern. Es sei kaum vorstellbar, was diese alles getan haben müssen, um das Mädchen zu pflegen. 

Weg in ein neues Leben beginnt mir schwerer Infektion

Dennoch: Ende September bringen die Eltern Helin mit 40 Grad Fieber in die Notaufnahme der Kinderklinik. Ihr Zustand ist lebensbedrohlich. Sie leidet an einer schweren Infektion und Nierenversagen. Drei Wochen dauert es, bis die komplizierte Infektion eingedämmt ist. Bei den Ärzten der Klinikum Bayreuth GmbH findet die Familie Hilfe und Hoffnung. 

Zuerst die Zusage: Ja, man werde Helin helfen können. Helfen, nicht heilen. Das ist von vorneherein klar. Helin hat durch den offenen Rücken bedingt eine Querschnittlähmung, die sich nicht rückgängig machen lässt. Auch den Wasserkopf könne man behandeln, die Erkrankung aufhalten. Sie werde weniger Schmerzen haben, zur Schule gehen und ein selbstbestimmtes unbeschwertes Leben führen können, stellen die Ärzte in Aussicht. 

Verständigung auch ohne viele Worte

Was nun folgt, ist der engen Zusammenarbeit der behandelnden Ärzte der Kinderklinik, Neurochirurgie, Kinderchirurgie, der Klinik für Querschnittgelähmte, des sozialpädiatrischen Zentrums bis hin zum Sozialdienst zu verdanken. Kurze Absprachen unter Kollegen zeichnen den Teamgeist aus und formen auf unkomplizierte Art und Weise ein Gesamtkonzept für Helins Behandlung. 

Drei schwere Operationen schaffen Erleichterung

Im Oktober stabilisiert sich Helins Gesundheitszustand, sodass die für ihren zukünftigen Lebensweg so wichtigen Operationen erfolgen können. In einer dreistündigen hoch komplizierten Operation verschließt Dr. Hans Axel Trost zunächst den offenen Rücken. Drei Wochen später führt er den zweiten neurochirurgischen Eingriff durch – diesmal um den Wasserkopf zu behandeln: In einer einstündigen Operation implantiert er ein Ventil, damit das Hirnwasser ungehindert abfließen kann und damit den Druck vom Gehirn nimmt. Die dritte Operation folgt schließlich Ende November. Dr. Rainer Getto, Kinderchirurg, operiert Helin drei Stunden an den Harnleitern. Die Operation sorgt dafür, dass sich der Urin nicht mehr zurück in die Nieren staut und soll so langfristig Schädigungen verhindern.

Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft überbrücken jede Sprachbarriere

Weder Helin, noch ihre Eltern sprechen Deutsch oder Englisch, was die Verständigung schwierig macht. Was der Familie aber in dieser Zeit entgegenschlägt, ist eine Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit, die keiner Worte bedarf: Mit einer herzlichen Umarmung wird die Familie Mitte Dezember aus der Kinderklinik in die Klinik Hohe Warte verabschiedet, wo die Behandlung der Lähmungsfolgen und Hilfsmittelversorgung beginnt. Den Gesten und Blicken der Schwestern ist anzumerken, dass sie Helin ins Herz geschlossen haben, die Augen der Eltern zeigen Dankbarkeit – und Zuversicht. Helin sitzt in ihrem Rollstuhl, wirkt aufgeschlossen, freundlich und glücklich. Ihr bisheriges Leben hat sie überwiegend liegend im Bett verbracht.

Auch die  behandelnden Ärzte sind zufrieden: Helin hat alle Operationen gut überstanden. Das Team hat alles getan, um ihr den Weg für die Zukunft zu ebnen. Natürlich braucht es eine konsequente Nachsorge, um den Behandlungserfolg zu sichern, sagen Rupprecht und Trost. Dafür findet Helins Familie im Sozialpädiatrischen Zentrum der Klinikum Bayreuth GmbH zukünftig eine zentrale Anlaufstelle. 

Im vergangenen Jahr erweiterte die Klinikum Bayreuth GmbH, für die Behandlung von Kindern mit komplexen chronischen Krankheitsbildern, ihre Kapazitäten um die Spezialgebiete Kinderchirurgie mit Dr. Rainer Getto und das Sozialpädiatrische Zentrum, das Dr. Almut Hirsch leitet. Helin ist nur eines der Kinder, die von diesem erweiterten Leistungsspektrum und der engen Zusammenarbeit enorm profitieren – wenngleich ihre Geschichte eine ganz besondere bleibt.

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