25.11.2016

von B° RB

Gutes Gefühl

Pflegekräfte der Station 35 im Klinikum Bayreuth helfen dementen Patienten, mit Nesteldecken Ruhe zu finden

Die Nesteldecken setzt das Pflegeteam der Station 35 im Klinikum Bayreuth seit vier Monaten immer wieder bei dementen Patienten ein und hat damit sehr gute Erfahrungen gemacht

Suchend tasten die faltigen Hände über die farbenfrohe Decke. Es sind die Hände einer dementen Patientin. Sie fühlt über die verschiedenen Stoffe, ertastet einen Reißverschluss, große und kleine Knöpfe. Sie wird ruhiger. Kristin Albert hat ihr eine Nesteldecke auf das Bett gelegt. „Demenzpatienten sind mit ihren Händen ständig auf der Suche. Die Nesteldecke mit ihren unterschiedlichen Oberflächen zentriert ihre Aufmerksamkeit und beruhigt sie“, sagt die erfahrene Krankenpflegerin. Für die Patienten auf ihrer Station hat sie ihre Stoffvorräte geplündert und alte Kleidung zerschnitten, um daraus Decken in Patchwork-Technik zu nähen. Jede dieser drei Decken ist ein Unikat aus unterschiedlichen Stoffen und reich mit Knöpfen, Ringen, Taschen, Bommeln oder Reißverschlüssen verziert. 

Die Nesteldecken setzt das Pflegeteam der Station 35 im Klinikum Bayreuth seit vier Monaten immer wieder bei dementen Patienten ein und hat damit sehr gute Erfahrungen gemacht. „Unsere Patienten lassen sich auf die Decken ein, werden ruhiger und suchen nicht mehr nach Gegenständen in der unmittelbaren Umgebung oder nesteln beispielsweise deutlich seltener an ihren Infusionszugängen“, erzählt Albert. Auf ihrer Station werden vorwiegend geriatrische Patienten behandelt, die sehr viel Aufmerksamkeit benötigen. Manchmal bleibt im stressigen Stationsalltag nur wenig Zeit, um sich an das Bett von dementen Patienten zu setzen. „Wir sind sehr froh, dass so viele unserer Patienten diese Decken so gut annehmen“, sagt Albert, „und es ist gut zu wissen, dass wir ihnen damit helfen können, Ruhe zu finden.“ 

Die Nesteldecke hat noch einen weiteren positiven Effekt, sagt Albert. „Um die eingenähten Gegenstände zu ertasten, bewegen die Patienten ihre Finger und Hände immer wieder in unterschiedlicher Art und Weise.“ Das beugt Kontrakturen an Hand- und Fingergelenken vor. 

Demente sind häufig motorisch sehr aktiv und auf der Suche nach Stimuli. Sie verfügen über einen sehr ausgeprägten Tastsinn. Bekanntes und Gewohntes zu ergreifen und zu fühlen gibt ihnen Sicherheit und kann Erinnerungen wecken.

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