12.11.2017

von B° RB

Nesteldecken für Demenzpatienten

Klinikum Bayreuth GmbH: Wenn die Finger arbeiten, kommt der Kopf zur Ruhe. Alzheimer Gesellschaft spendet Nesteldecken für Demenzpatienten


(v.l.): Demenzhelferin Christine Conrad, Karin Orbes, Vorsitzende der Alzheimer Gesellschaft Bayreuth-Kulmbach, Demenzhelferin Elfriede Roßband, Elvira Herschel-Kummer, Assistenz der Pflegedienstleitung der Klinikum Bayreuth GmbH und Demenzhelferin Sabine Schieber bei der Übergabe der Nesteldecken im Klinikum Bayreuth

Sie sind bunt und aus verschiedenen Materialien gefertigt, verziert mit Kordeln und Ringen. Sechs Nestel- und Beschäftigungsdecken hat die Alzheimer Gesellschaft Bayreuth-Kulmbach jetzt im Klinikum Bayreuth an die ehrenamtlichen Demenzhelferinnen und -helfer überreicht. Die Helferinnen und Helfer legen sie bei ihren Besuchen zu demenzerkrankten Patienten ins Bett. Schon beginnen deren Finger zu arbeiten, die Gedanken kommen zur Ruhe.

„Wir haben mit den Decken gute Erfahrungen gemacht“, sagt Karin Orbes, Vorsitzende der Alzheimer-Gesellschaft Bayreuth-Kulmbach, Diplom-Gerontologin und selbst Tochter einer Demenzpatientin. „Wenn die Finger anfangen zu arbeiten, werden die Patienten ruhiger.“ Ein Krankenhausaufenthalt ist für Menschen mit Demenz meist eine große Belastung. Fremde Umgebung, fremde Menschen und abweichende Tagesabläufe überfordern sie. „Das lange Liegen, fehlende Bewegung und eine reizarme Umgebung führen zu Verwirrung und Halluzinationen“, beschreibt Karin Orbes. 

In ihren Betten lassen die Patienten daher oft ihre Finger unruhig umherwandern, nach Beschäftigung suchend – ziellos, wie es ihre Gedanken sind. Das Problem: Oft finden die Finger nicht nur die Bettdecke, sondern auch Infusionsschläuche und Kanülen. Nicht ungefährlich. Die Decken bieten Menschen mit Demenz unterschiedliche haptische Reize, die sie mit ihren Fingern erfühlen und erfahren. So wie sich die Finger auf die unterschiedlichen Reize einlassen, sich auf das Erfühlen konzentrieren, fokussieren sich auch die Gedanken. „Die Patienten werden ruhiger, die Orientierung unter Umständen besser“, sagt Orbes. 

Seit drei Jahren stehen ehrenamtliche Demenzhelferinnen und -helfer betroffenen Patienten während ihres Klinikaufenthalts im Klinikum Bayreuth bei. Geschult werden sie von der Alzheimer Gesellschaft Bayreuth-Kulmbach. Derzeit sind fünf Ehrenamtliche im Einsatz, die sich über die Beschäftigungsdecken freuen: „Es ist schön zu erleben, wie ein Patient zur Ruhe kommt, wie gut ihm die Beschäftigung tut“, sagen die Demenzhelferinnen Christine Conrad, Sabine Schieber und Elfriede Roßband, die das Geschenk stellvertretend entgegennahmen. Zusätzlich brachte Karin Orbes im Namen der Alzheimer Gesellschaft sechs kleine Massagekäfer mit. Mit ihnen könne man durch das lange Liegen angespannte Muskeln lockern, sagt Orbes. Das wirke sich auch auf die Atmung positiv aus – auch ein kritischer Punkt bei vielen der Patienten.

„Die Demenzhelfer sind für uns eine große Stütze“, sagt Elvira Herschel-Kummer, Assistenz der Pflegedienstleitung der Klinikum Bayreuth GmbH, bei der Übergabe. „Mit ihrem ehrenamtlichen Engagement entlasten sie die Pflege, sie verbringen wertvolle Zeit mit den Patienten und bieten ihnen so einen großen Mehrwert.“

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