10.01.2018

von B° RB

Dr. Andreas Schweiger

Preisgekrönt: Bayreuther Ökologe untersucht Langzeitfolgen des "Sauren Regens"

Dr. A. Schweiger bei Laboruntersuchungen von Wasserproben

Der Bayreuther Pflanzenökologe Dr. Andreas Schweiger (33) hat den Dissertations-Förderpreis 2017 der Gesellschaft für Ökologie (GfÖ) erhalten. Eines der bislang größten Treffen von Ökologen in Europa - eine gemeinsame Tagung der GfÖ, der British Ecological Society, der Niederländischen Ökologischen Vereinigung und der European Ecological Federation – bildete im Dezember 2017 den Rahmen für die feierliche Preisverleihung im belgischen Gent. 

In seiner preisgekrönten Doktorarbeit hat der Bayreuther Nachwuchswissenschaftler untersucht, wie sich eine dauerhafte Versauerung von Böden langfristig auf die Pflanzenwelt auswirkt. Im Mittelpunkt standen dabei die Quellgebiete im Fichtelgebirge und im Frankenwald.

Die Böden in diesen Regionen wurden bis in die 1990er Jahre hinein mit großen Mengen an Stickstoff- und Schwefeloxiden angereichert, die hauptsächlich aus Industrieanlagen jenseits des ‚Eisernen Vorhangs’ stammten. Winde transportierten die Schadstoffe nach Nordostbayern, wo sie durch ‚Sauren Regen’ in die Böden gelangten und die Wälder im Fichtelgebirge und im Frankenwald stark schädigten. Langfristig wurde deshalb sogar ein endgültiges ‚Waldsterben’ befürchtet. Erst seitdem die Schadstoffemissionen in Mittel- und Osteuropa ab den 1990er Jahren zurückgegangen sind, haben sich die Wälder langsam wieder erholt.  

Dennoch ist der Säuregehalt der Waldböden auch heute noch viel zu hoch, wie Dr. Andreas Schweiger durch Analysen von Wasserproben gezeigt hat, die er aus Sicker- und Sumpfquellen im Frankenwald und im Fichtelgebirge entnommen hat. In diesen Quellgebieten wird das Wasser großflächig aus dem oberflächennahen Untergrund an die Erdoberfläche gedrückt. Die nachhaltige Versauerung hat in Kombination mit einer gestiegenen Anzahl langer Trockenphasen dazu geführt, dass sich das Auftreten und die Häufigkeit der hier lebenden Pflanzenarten signifikant geändert hat. “Die Folgen dieses Wandels sind nicht zu unterschätzen. Wir wissen heute, dass die Funktionen von Ökosystemen – einschließlich der Serviceleistungen, die wir von ihnen erwarten – in erheblichem Umfang von der Artenzusammensetzung abhängen. Dies gilt auch für die oft inselartigen Ökosysteme, die in den Quellgebieten des Fichtelgebirges und des Frankenwalds anzutreffen sind“, erklärt der Bayreuther Ökologe und fügt hinzu: „Die bis heute fortwirkenden Schäden, die der ‚Saure Regen‘ hier vor dreißig Jahren angerichtet hat, zeigen beispielhaft, dass das Gedächtnis komplexer Ökosysteme über Jahrzehnte aktiv bleiben kann. Wenn neue Umwelt- und Klimafaktoren wie längere Trockenzeiten und andere Extremereignisse hinzukommen, können sich die Langzeitfolgen dieser Schäden unerwartet verschärfen.“

Zur Person: 

Dr. Andreas H. Schweiger wurde 1984 in Garmisch-Partenkirchen geboren. Von 2005 bis 2010 absolvierte er den Diplom-Ingenieurstudiengang ‚Umweltsicherung‘ an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. Anschließend wechselte er an die Universität Bayreuth, wo er 2013 den Masterstudiengang ‚Biodiversität und Ökologie‘ mit einer Forschungsarbeit zum Wasser- und Kohlenstoffhaushalt von alpinen Pflanzen am Kilimandscharo erfolgreich abschloss. Seine Dissertation mit dem Titel „Springs as models to unveil ecological drivers and responses: Perspectives for ecosystem theory from neglected ecosystems“ wurde von Prof Dr. Carl Beierkuhnlein betreut, der an der Universität Bayreuth den Lehrstuhl für Biogeografie innehat. 2016 wurde Dr. Andreas Schweiger, der heute das Forschungsteam von Prof. Dr. Steven Higgins am Lehrstuhl für Pflanzenökologie verstärkt, mit dem Bernd-Rendel-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft ausgezeichnet.

Veröffentlichung:

Andreas H. Schweiger, Springs as models to unveil ecological drivers and responses: Perspectives for ecosystem theory from neglected ecosystems. Bayreuth 2016 (Dissertation), https://epub.uni-bayreuth.de/2980/

Andreas H. Schweiger, The complex adaptive character of spring fens as model ecosystems, in: Frontiers of Biogeography 2017, DOI: 10.21425/F59232607.

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