22.08.2017

von B° MR

Corps Pomerania-Silesia

Wir waren beim Corps Pomerania-Silesia und durften einen Blick hinter die Kulissen einer Studentenverbindung in Bayreuth werfen.

Clubzimmer des Corps Pomerania-Silesia

Ahnengalerie des Corps Pomerania-Silesia

Kneipe des Corps Pomerania-Silesia

Corps Pomerania-Silesia

Corps Pomerania-Silesia

Viele haben schon einmal von Studentenverbindungen gehört. Aber was sind sie eigentlich genau und was tun sie? Wir waren beim Corps Pomerania-Silesia und durften einen Einblick in das manchmal geheimnisumwitterte Dasein einer Studentenverbindung in Bayreuth gewinnen.

Zunächst ist das Corps (nicht der Chor) eine Gemeinschaft von ungefähr 130 aktiven und ehemaligen Studenten der Universität Bayreuth. Sie sind nicht nur weltweit verstreut, sondern auch von internationaler Herkunft und nennen sich gegenseitig Corpsbrüder. Ein Zeichen für die lebenslange Freundschaft, die man beim Eintritt eingeht. Die jungen Studenten kommen aus allen Fachbereichen, aber der Schwerpunkt auf Jura und den Wirtschaftswissenschaften ist unübersehbar bei den Jungs mit Hemd, hellblau-weiß-goldenem Band und Lederschuhen mit denen wir gemütlich auf schweren Ledersofas im "Clubzimmer" sitzen.

Allerdings gibt es hier auch klare Hierarchien, die für das Funktionieren einer solch großen Gruppe von Nöten ist, wie uns gesagt wird. Als junger Student kann man nach einer Phase des Kennenlernens eintreten und ist als junges Mitglied erst einmal Fuchs, welches die Probezeit darstellt. Später dann wird man im Sprachgebrauch der Burschen "dreifarbig" nachdem man eine Mensur geschlagen hat.

Das Fechten von scharfen Mensuren erscheint uns wie ein Relikt aus alten Zeiten und ruft oft Unverständnis und Kopfschütteln hervor. Und in der Tat, wollen die jungen Studenten nicht viel Auskunft geben, nur soviel, dass das Fechten essenzieller Bestandteil ist und das Einstehen für die Gemeinschaft unter Beweis stellen soll. Was ihre Kommilitonen dazu sagen, wollen wir wissen. "Nach einer kurzen Erklärung sind die meisten eher neugierig, als distanziert" erklärt der Jurist mit türkischen Wurzeln und fügt hinzu, dass die "Überwindung gar nicht so schwierig sei und der gewisse Nervenkitzel eben dazu gehöre".

Uns wird nun eine kleine Hausführung durch das mehr 250 Jahre alte Haus in der Richard-Wagner-Straße angeboten und wir sind im sogenannten Kneipsaal von der großen "Ahnengalerie" beeindruckt. Hier haben alle Corpsbrüder mit einem kleinen Portrait ihren Platz. Allerdings meint der junge Gesundheitsökonom aus dem Rheinland, seien durch Kriegswirren nicht mehr alle Bilder vorhanden. Der Saal verströmt etwas Historisches, allerdings wird uns gesagt, finden hier sehr zeitgemäße Veranstaltungen statt, wie zum Beispiel Parties, Vorträge, Tanzstunden und Cocktailabende.

Wir wollen wissen, was die Beweggründe für die Studenten waren, Teil dieser Gruppe zu werden. "Der Draht zu den Jungs hier hat einfach gepasst", sagt der P&E-Student aus Eisenach als Erster. Ein weiterer meint, dass die "Studienunterstützung in Form von Repetitorien ein unschlagbarer Vorteil sei und auch die Unterstützung durch die Corpsbrüder im höheren Semester ihn schon oft gerettet habe. Jedoch sei dies nicht alles, das normale Alltagsleben sei einfach viel facettenreicher." Nun wollen wir es genau wissen und kommen letztlich zu der Frage, was sie denn den ganzen Tag machen. Der später dazu gestoßene BWL-Student aus Baden-Württemberg meint, dass "sie ganz normal wie alle studieren, nur können sie das Haus abends nutzen, wie sie möchten. Ob nun gemeinsames Essen, ein Bier aus den gut gefüllten Kühlschränken oder mit Freunden treffen, dies ist jedem selbst überlassen. Man habe nur einfach mehr Möglichkeiten und wer möchte, könne sich auch in sein Zimmer zurückziehen."

Ein weiterer Punkt, der die Studentenverbindung wohl so attraktiv macht. Das Corps verfügt über ein eigenes Studentenwohnheim mit zehn Appartements, die jeweils eine eigene Küche und ein eigenes Bad haben.

Abschließend meint der Wirtschaftsingenieur aus Oberbayern, dass die Skiwoche und die Fahrten in verschiedene Städte deutschlandweit ihm am meisten gefallen haben, da er so neue Städte und andere Corpsstudenten seines Alters kennengelernt habe.

Wir verabschieden uns mit vielen neuen Eindrücken und der Erkenntnis, dass die jungen Corpsstudenten in Bayreuth nicht den gewöhnlichen Weg durchs Studium, sondern eben einen ganz speziellen gewählt haben.

Für Interessierte:
Corps Pomerania-Silesia
Richard-Wagner-Straße 77
95444 Bayreuth

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