29.01.2010

von B° RB

Dr. Ludwig Schick
Dritte Bayreuther Debatte - Nachbericht. Interview mit dem Theologen und Erzbischof Dr. Ludwig Schick
Dr Schick
Foto: Fabian Heil

Dr. Ludwig Schick, 1949 in Marburg geboren, studierte katholische Theologie und Philosophie in Fulda und Würzburg, promovierte 1980 und wurde nach mehreren hohen Ämtern 2002 von Papst Johannes Paul II. zum Erzbischof von Bamberg ernannt. Seit 2006 leitet Schick als Nachfolger von Franz Kamphaus die Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, 2007 erhielt er das Bundesverdienstkreuz 1.Klasse.


Herr Dr. Schick, Ihre Botschaft ist: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Könnte ich sagen: Ich habe meinen Nahbereich, den ich wahrnehmen kann, für den ich mich auch engagiere. Aber wenn es eine farblose Statistik gibt, dass irgendwo Menschen an Krankheiten sterben, dann kümmere ich mich darum nicht. Ist das nicht ein logischer Schluss?

Das wäre ganz und gar gegen unseren Glauben an den einen guten Gott aller Menschen. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst heißt: Liebe jeden wie dich selbst. Das sieht man jetzt am Beispiel Haiti, es hat eine große Bewegung christlicher Solidarität eingesetzt. Die Christen sollen jeden einzelnen Menschen lieben, egal wo er lebt. Die christliche Nächstenliebe ist universal.

Zumindest ist das ein Argument, das Dr. Michael Schmidt-Salomon ins Feld führt…

Die Geschichte der Kirche beweist, dass etwas anderes gemeint ist. Die Christen haben immer anders gehandelt. Sie gingen bis ans Ende der Erde, um den Menschen Gutes zu tun, z. B. Albert Schweitzer oder Mutter Teresa.

Kann der Papst die Stellvertretung von Gott reklamieren, wenn genau damit Kreuzzüge, die Hexenverbrennung oder die Ablassbriefe legitimiert wurden?

In der Kirchengeschichte gibt es Fakten, die wir sehr bedauern. Wir müssen klar bekennen: Das war nicht richtig. Der Papst kann als Christ im moralischen Sinn nur die Stellvertretung beanspruchen, wenn er auch im Sinne Christi handelt. Sonst vertritt er Gott nicht. So wie jeder Christ, der böse handelt, kann er sich dann nicht als Stellvertreter bezeichnen. Dann muss er sich bekehren, sein Leben mit Gott neu beginnen.

Für viele in meiner Generation ist es ein Widerspruch, dass der Papst die Verbreitung von Kondomen in Afrika für schlecht hält, aber gerade die Nichtverteilung von Kondomen zu Krankheit und Tod führt…

AIDS muss eingedämmt werden mit allen Mitteln. Wie das geschehen kann, muss vor Ort geklärt werden. Es gibt wissenschaftliche Untersuchungen, die belegen, dass Kondome nicht zur Eindämmung von AIDS führen. Es gibt auch andere.

Jetzt hatten wir die Katastrophe von Haiti, viele Christen sind gestorben, auch der dortige Erzbischof. Warum erlaubt Gott das?

Ich habe hier keine Antwort. Der Erzbischof Miot war auch ein Freund von mir, ich war erst im Juni 2009 in dem Zimmer, in dem er erschlagen wurde. Ich weiß nicht, warum Gott so etwas zulässt. Der Glaube beantwortet nicht alle Fragen. Er macht uns zu „Wohltätern“ und nicht zu „Alles-Wissern“. Wir sind überall verpflichtet, alles zu tun, was den Notleidenden hilft.




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