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| Foto: Fabian Heil |
Mina Ahadi, geboren 1956 in Abhar (Iran), studierte Medizin an der Universität Tabriz und war aktiv in der linken Opposition gegen den Schah. Ende 1980 durchsuchte die Geheimpolizei ihre Wohnung. Dabei wurden ihr damaliger Mann sowie fünf Gäste festgenommen und kurz darauf hingerichtet. Mina Ahadi wurde in Abwesenheit zum Tode verurteilt, konnte aber entkommen. Seit 1996 lebt Sie in Köln und setzt ihre politische Arbeit weiter fort. So gründete Sie 2001 das Internationale Komitee gegen Steinigung, 2004 das Komitee gegen Todesstrafe und ist seit Januar 2007 erste Vorsitzende des Zentralrats der Ex-Muslime.
Frau Ahadi, Sie sind nicht nur Vorsitzende des „Zentralrats der Exmuslime“, sondern waren auch Gründungsmitglied. Welche Ziele verfolgt diese Organisation und was war der ursprüngliche Ansporn für die Gründung?
Apostasie bzw. Austritt aus dem Islam, ist in Deutschland ein Tabuthema. Um eine öffentliche Diskussion auszulösen, haben wir daher eine Organisation ins Leben gerufen, deren Mitglieder offen aussprechen : „Wir haben dem Islam abgeschworen“. Vorbild war die in Deutschland bekannte Aktion, in der sich prominente Frauen, dazu bekannten abgetrieben zu haben und so dieses Thema in den Fokus der gesellschaftlichen Auseinandersetzung brachten.
Zudem wollten wir mit dieser Aktion Kritik an der, derzeit in Deutschland und sogar in Europa, vorherrschenden Politik üben, die in der Religionszugehörigkeit das Hauptidentitätsmerkmal von Menschen aus sogenannten „islamischen“ Ländern wie Irak, Iran, Sudan usw. sieht. Diese Politik äußert sich zum Beispiel darin, dass universelle Probleme, wie Schwierigkeiten bei der Arbeitsplatzfindung und beim Spracherwerb, mit religiösen Organisationen besprochen und auf Islamkonferenzen thematisiert werden, obwohl die Religion zu diesen Themen keinen direkten Bezug hat.
Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihren Publikationen?
Der Zentralrat der Exmuslime versucht durch seine Publikationen ein Klima in Deutschland und Europa zu schaffen, bei dem die Rechte der Menschen und insbesondere der Frauen aus sogenannten islamischen Ländern gewahrt werden. So glauben wir, dass Frauen unabhängig von ihrem kulturellen Hintergrund, ein Recht darauf haben über ihr Privatleben und ihre Sexualität selbst zu entscheiden. Ehrenmord und Kopftuchzwang sollten dagegen nicht geduldet werden. Wir sind zudem eine Organisation gegen den Kulturrelativismus, d.h. wir glauben an eine Universalität der Menschenrechte und daran, dass alle Menschen ein Recht auf Freiheit und freie Meinungsäußerung haben.
Welche Rolle spielt dabei die Kritik an Religionen und religiösen Institutionen?
Wir haben bis jetzt islamische Organisationen kritisiert, weil wir glauben, dass in einer modernen Welt politische Interessen durch Parteien und nicht durch religiöse Organisationen vertreten werden sollten. Wir versuchen zu zeigen, dass im 21.Jahrhundert die Religion eine Privatsache ist und dies auch bleiben sollte. Auch glauben wir, dass der Islam, für die Unterdrückung der Frauenrechte mitverantwortlich ist. Dies zeigt sich z.B. daran, dass einige islamische Organisation, offen zu geschlechtsbezogener Apartheid, Ehrenmord und Gewalt gegen Frauen aufrufen bzw. solches Verhalten tolerieren.
Sind Sie bei Ihrer Arbeit auf irgendwelche Schwierigkeiten gestoßen?
Als weibliche Vorsitzende des Zentralrats der Exmuslime, die eine sehr kritische Position gegenüber dem Islam verfolgt und in diesem Zusammenhang sehr offen über Tabuthemen redet, war ich von Anfang an mit Sicherheitsproblemen konfrontiert. So habe ich am Anfang sehr viele Hassbriefe erhalten und stehe bei öffentlichen Auftritten nach wie vor unter Personenschutz. Ein weiteres Problem waren die mangelnden Reaktionen von Seiten der politischen Parteien. Gründe hierfür sind zum einen, dass Parteien wie CDU, CSU und FDP selbst religiöse Komponenten enthalten, und daher Angst vor Diskussionen zum Thema Einmischung von Religion in die Politik haben. Andererseits vertreten Parteien im linken Spektrum oder „Multi-Kulti-Organisationen“, wie die Grünen, aus meiner Sicht, traditionell eine Position, die man als „anti-imperialistisch“ und „pro-islamistisch“ bezeichnen kann. Da wir uns aber teilweise, eine vollkommen andere Politik gegenüber islamischen Ländern und Organisation wünschen, erkennen diese Parteien unsere Arbeit nicht an.
Ich glaube aber, dass man in allen Parteien einzelne Menschen finden kann, die unsere Forderung teilen, nämlich, dass man über Probleme im Zusammenhang mit dem politischen Islam offen reden muss.
Was für eine Politik wünschen Sie sich gegenüber islamischen Organisationen? Welche konkreten Maßnahmen schlagen Sie vor?
Ich denke die Medien müssen bestehende Probleme klar benennen. Die Menschen müssen erkennen, dass in den letzten zwanzig Jahren islamische Organisationen an politischem Einfluss gewonnen haben und durch Aktionen wie den Moscheebau versuchen sich weiter durchzusetzen. In der Öffentlichkeit sollte offen darüber diskutiert werden, dass mehr Moscheen zu einer Ausbreitung von reaktionären und traditionellen Werten führen können, die in die heutige Welt nicht mehr passen und die Entwicklung von Kindern beeinträchtigen.
Meiner Meinung nach, können Kinder keine Religion haben. Sie werden zufällig in eine Familie geboren und sollten daher in einem neutralen Klima aufwachsen. Kindern sollte aufgrund, der Religion der Eltern, weder der Schwimmunterricht vorenthalten noch das Tragen eines Kopftuches vorgeschrieben werden.
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