18.10.2014

von B° RB

30 Jahre Bücher auf Rädern

Der Bücher- und Vorlesedienst "Rollende Bibliothek" feiert dieses Jahr sein 30-jähriges Jubiläum. Feierstunde am 20. Oktober: Bücher werden verschenkt

Der dreijährige Moritz interessiert sich besonders für bunte und interaktive Bilderbücher und lässt sich von Christiane Zimmermann, die seit 15 Jahren ehrenamtlich als Bücherdame im Klinikum Bayreuth tätig ist, alles erklären

Die Augen des dreijährigen Moritz fangen an zu leuchten, als die kleine Bibliothek auf Rädern in sein Krankenzimmer gerollt wird. Er kennt die kleine Lesestunde schon, die ihn jetzt erwartet. Besuche wie diesen gibt es täglich unter der Woche auf den Kinderstationen im Klinikum Bayreuth. Heute schieben die ehrenamtlichen Bücherdamen Christiane Zimmermann (66) und Edith Böhm (71) den bunten Lesestoff. Für die nächsten Minuten darf Moritz raus aus seinem Bett und sich vor den Bücherwagen auf einen kleinen grünen Plastikstuhl setzen. Besonders interessiert er sich heute für ein Bilderbuch mit einem großen roten Knopf, der jedes Mal einen Sirenenton erzeugt, wenn er auf diesen drückt. Im Sekundentakt beantwortet Zimmermann, die sich neben Moritz gekniet hat, dessen Fragen zu den Abbildungen: „Und das? ... Und das? ... Und das?“, fragt er. Böhm steht daneben und muss schmunzeln.

Fakten
info@kinderschutzbund-bayreuth.de

Zimmermann ist seit 15 Jahren im Bücher- und Vorlesedienst „Rollende Bibliothek“ des Deutschen Kinderschutzbundes KV Bayreuth e.V. Ihre Kollegin Böhm engagiert sich seit dem Gründungsjahr 1984, als noch provisorisch ein Essenswagen mit Plastikbehältern als Bücherwagen verwendet wurde. Derzeit wird das Projekt von insgesamt elf ehrenamtlichen Bücherdamen im Rentenalter getragen. Probleme gab es so gut wie nie: „Alle Leute waren immer zuverlässig und immer präsent. Wenn jemand ausfällt, sprechen wir uns ab. So hat immer alles lückenlos funktioniert“, erklärt Böhm.

Eine Viertelstunde später rollt die Bibliothek weiter. Bevor es zum nächsten Kind geht, werden die verwendeten Bücher desinfiziert. Das geschieht auf den Rat der Ärzte hin, die sich in der Anfangsphase des Projekts vor 30 Jahren aus Sicherheitsgründen erst einmal dagegen gestellt hatten. „Aber wir haben einen Motor gehabt und nicht locker gelassen. Irgendwann haben die Ärzte gemerkt, dass es eine feine Sache ist. Dann sind es immer mehr Bücher geworden“, erinnert sich Böhm. Desinfektionstücher seien die Lösung gewesen. Weil Hygiene oberstes Gebot ist, können die Bücherdamen manchmal nicht einfach so bei Kindern vorbeischauen: „Wenn Kinder Infektionen haben, fragen wir vorher, ob es bedenklich ist“, ergänzt Zimmermann. Dabei hält sie beim Desinfizieren kurz inne und schaut auf. Und waren Bücher erst einmal im sogenannten Infektionszimmer, werden sie sogar entsorgt. Insgesamt dauert die Reinigung heute etwa zehn Minuten. Danach wird die Bücherei zum 10-jährigen Paul gefahren. Paul sieht noch ein wenig krank aus, steht aber schon wieder auf den Beinen. Da heute sein Entlassungstag ist, wird er kaum noch Zeit zum Lesen haben. Trotzdem kniet er sich vor den Wagen und stöbert in den unteren Bereichen bei den Jugendbüchern – vielleicht muss er ja später noch etwas Zeit überbrücken.

Fast eine Stunde sind die Damen heute im Einsatz, bis alle Kinder mit Büchern versorgt sind. Der Tag bestätigt Böhm und Zimmermann in ihrem Engagement. Trotz digitaler Medien und Fernseher auf den Zimmern kommt die Bibliothek auf Rädern nach 30 Jahren immer noch sehr gut bei den Kindern und Jugendlichen an. Ein kleines Mädchen habe sich erst kürzlich fünf Bücher geliehen und sogar gefragt, ob sie Zimmermann als Vorleserin auch gleich dabehalten könne. Beim Erzählen muss sie lachen, während sie den Wagen aus der Kinderstation heraus und zurück in Richtung Bücherzimmer schiebt. In diesem kleinen Raum, in den kaum drei Erwachsene passen, wird der Wagen geparkt und täglich neu mit circa 60 bis 70 von insgesamt über 700 Büchern aus den Regalen bestückt. Finanziert wurden diese Bücher zum Großteil durch Spenden, welche die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im Klinikum unter der Leitung von Prof. Dr. Thomas Rupprecht erhält. Auch der örtliche Buchhandel war und ist maßgeblich daran beteiligt. So gibt es stets Lesenachschub und es ist sichergestellt, dass die Bücherdamen mit den Büchern auf Rädern auch morgen wieder Kinderaugen zum Funkeln bringen.

Wer engagiert ist und Bücher und Kinder liebt, kann jederzeit Teil des Bücher- und Vorlesedienstes werden. Kontaktaufnahme ist postalisch (Wittelsbacherring 8, 95444 Bayreuth), telefonisch (Tel. 0921/511 699 oder 0921/511 699) oder per E-Mail möglich. Der Deutsche Kinderschutzbund KV Bayreuth e.V. freut sich über jede Unterstützung!

Das 30 jährigen Jubiläum nehmen die Klinikum Bayreuth GmbH und der Deutsche Kinderschutzbund KV Bayreuth zum Anlass, um sich in einer Feierstunde, am Montag, 20. Oktober, von 15 bis 17 Uhr, im Klinikum Bayreuth, öffentlich bei allen Unterstützern zu bedanken.

Anlässlich des Jubiläums gehen die Bücherdamen der "Rollenden Bibliothek" am Montag, 20. Oktober, um 13:45 Uhr, im Vorfeld der Feierstunde, durch die Krankenzimmer der Kinderklinik und verschenken Bücher an kranke Kinder und Jugendliche. Gern kann ich Ihnen die Möglichkeit einräumen Bilder von dieser Aktion zu machen. Bitte wenden Sie sich an mich, damit ich alles Weitere abstimmen kann.

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