28.08.2019

von B° RB

Segelflieger auf dem Treppchen

Luftsportgemeinschaft Bayreuth e.V.: LSG Bayreuth Dritter der Segelflug-Bundesliga. In der Weltliga zum Saisonende auf Rang vier

Vorjahres-Weltmeister Bayreuth im Segelflug landet international auf dem vierten Rang

Vorjahressieger LSG Bayreuth beendet die Bundesliga-Saison 2019 auf dem Bronzerang. Nach 19 Runden mit vielen Höhen und Tiefen können die Segelflieger damit wiederum ein Ergebnis in der Spitzengruppe erzielen. In der internationalen Wertung der World League reicht es für Platz vier von 1.077 Vereinen aus allen Erdteilen. 

Das letzte Wochenende hat noch einmal gezeigt, wie sehr das Wetterglück in diesem Sommer eher bei den norddeutschen Vereinen lag. Ein sechster Rundenplatz hinter drei niedersächsischen Clubs, Rundensieger FK Brandenburg und den Nachbarn vom AC Lichtenfels war zwar ein annehmbares Resultat. Da der direkte Konkurrent um den Vizetitel, Vierfachmeister LSV Burgdorf, mit Rundenplatz zwei auch Gesamtplatz zwei erreicht hat, fehlten den Bayreuthern am Ende zwei Punkte für den Vizemeister. 

Der neue Deutsche Meister Segelflug-Bundesliga stammt ebenfalls aus Niedersachsen: Der LSV Rinteln konnte sich nach fünf Rundensiegen bereits letzte Woche erstmals den Gesamtsieg sichern. Mit einer sehr ausgeklügelten Taktik konnten sich die Rintelner die Verhältnisse in ihrer Heimatregion perfekt zu Nutze machen. An Tagen ohne sonnenbedingte Aufwinde, so genannter Thermik, haben die Rintelner ein System gefunden, die vom Wind erzeugten Hangaufwinde des Weserberglandes für Flüge nach den Regeln der Segelflug-Bundesliga zu optimieren. "Mit dieser Leistung haben die Rintelner hochverdient gewonnen" meint auch Bayreuths Teamkapitän Heiko Hertrich.

In den Segelflug-Ligen werden über 19 Wochenenden („Runden“) die schnellsten drei Piloten eines Vereins gewertet. Hierfür kommt es auf die schnellsten 2,5 Stunden der Flüge auf höchstens vier zusammenhängenden Teilstrecken an. In der 1. und 2. Bundesliga erhält der beste der jeweils 30 Vereine pro Wochenende 20 Punkte, der zweitbeste 19 und so weiter. Jeder Verein mit einem gültigen Wertungsflug erhält mindestens einen Punkt.

Die LSG Bayreuth musste dieses Jahr erstmals seit 2002 ohne Rundensieg auskommen. Viele Platzierungen unter den ersten fünf sorgten aber dafür, dass der Titelverteidiger sieben Wochen lang die Tabelle anführen konnte. Doch nachdem sich besonders seit Mitte Juli das Wetterglück zu Gunsten des Nordens wendete, war diese Führung nicht bis zum Schluss zu halten und der Traum von der Titelverteidigung geplatzt. Mit dem Bronzerang sind die Piloten vom Bindlacher Berg dennoch die besten Süddeutschen.

13 Piloten haben diese Wertung zu Stande gebracht: Die Flieger-Familie Baier mit den Brüdern Andreas, Johannes und Georg sowie dessen Sohn Sebastian, Wolfgang Clas, Manisha Große Verspohl, Heiko Hertrich, Frederik Köhne, Friedhelm Lotte, Bernd Löser, Alexander Müller, Lothar Schmidt und Susanne Weisheit-Hertrich. 

Für die Piloten kommt es beiden Flügen darauf an, möglichst starke Aufwinde zu treffen, um das motorlose Flugzeug steigen lassen zu können. Häufig kreisen die Segelflieger wie auf einer Wendeltreppe in diesen Aufwinden. Bei besonders schnellen Flügen haben die Piloten aber in der Regel linienförmige Aufwinde, zum Beispiel unter langen "Straßen" aus Cumulus-Wolken gefunden, wo sie auch im Geradeausflug steigen und entsprechend schnell voran kommen. Rund um Bayreuth sind diese Verhältnisse vor allem am Thüringer Wald, am Erzgebirge und auf dem Weg Richtung bayerischer Wald bei guten Wetterlagen zu finden. So sind Durchschnittsgeschwindigkeiten von über 130 km/h in der 2,5-stündigen Wertung möglich - und das ganz ohne Motor.

14 Mal war allein Alexander Müller in der Wertung. Das Langstrecken-As hat heuer an vielen Tagen dem Bundesliga-Format den Vorzug gegenüber der taktisch anders aufgebauten Langstrecke gegeben. Seit fünf Jahren konnte mit Manisha Große Verspohl zudem erstmals wieder eine Frau einen Flug in die Wertung der LSG einbringen, mit Susanne Weisheit-Hertrich kurz darauf sogar noch eine zweite.

Auch die Ergebnisse der Nachbarvereine können sich sehen lassen: Aufsteiger SFG Steinwald aus Erbendorf schafft nach einem fulminanten Rundensieg in der ersten Runde als Gesamtachter die zweitbeste bayerische Platzierung, der AC Bamberg folgt auf neun direkt dahinter. Die Alpenflieger vom SFZ Königsdorf kommen auf Tabellenplatz elf und das junge, kleine Team des AC Lichtenfels schafft mit zwei Rundensiegen Rang 13 von 30. Der FLC Schwandorf auf Rang 18, die SFG Donauwörth-Monheim auf 19 und der SFV Bad Wörishofen auf dem undankbaren 30. Platz komplettieren das Ergebnis des Luftsport-Verbandes Bayern. Bad Wörishofen muss damit den Gang in die zweite Liga antreten, wie auch fünf Clubs aus Baden-Württemberg. Dass auch aus der zweiten Liga fünf baden-württembergische Clubs in die Qualifikations-Liga absteigen, könnte ein Indiz dafür sein, dass sich gerade die Wetterverhältnisse zu Ungunsten des Südens und besonders des Südwestens verschieben.  

Der Meistertitel der World League ging an den amerikanischen Club Moriarty Soaring aus New Mexico. Unter dem Namen Albuquerque Soaring war das Team bereits fünf Mal Weltliga-Sieger, konnte aber nun erstmals seit dem Umzug nach Moriarty den Titel holen, nachdem in den letzten vier Jahren jeweils der Bundesliga-Meister auch die Weltliga für sich entscheiden konnte. Moriarty war jeweils knapp in der letzten Runde unterlegen, unter anderem zwei Mal gegen die LSG Bayreuth (2015 und 2018). Daher geht auch dieser Titel hochverdient in die Rocky Mountains.

Vorjahres-Weltmeister Bayreuth landet international auf dem vierten Rang. Der LSV Burgdorf konnte Bayreuth in dieser Wertung nicht mehr überholen, vor Bayreuth liegen Moriarty, Rinteln und der Minden Soaring Club aus Nevada, USA. In der World League werden alle Flüge eines Wochenendes von allen 1.077 Vereinen weltweit gewertet, der Rundensieger erhält hier 40 Punkte. 

Da die Clubs immer im Modus alle gegen alle antreten, ist eine weltweite Wertung überhaupt erst möglich: Jeder Pilot startet an seinem Heimatflugplatz oder wie immer er möchte, und lädt am Abend die Flugschreiberdatei in das Wertungsportal www.onlinecontest.org hoch, wo aus den GPS-Daten des Fluges die besten 2,5 Stunden ausgerechnet und bewertet werden. Damit hat es der Segelflug als einzige Sportart geschafft, eine funktionierende Weltliga aufzubauen.

Die Siegerehrung der Bundesliga findet am 5. Oktober in Poppenhausen in der Rhön statt. Für die Piloten der LSG Bayreuth geht es ab Mitte April 2020 wieder in den Kampf um die besten Aufwinde.

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