09.10.2018

von B° RB

Von Frankfurt nach New York

Eric und Jula Isenburger. Von Frankfurt nach New York. Eröffnung: Sonntag, 10.6.18, 11 Uhr, im Kunstmuseum Bayreuth

Eric Isenburger: Portrait Jula, 1926, Privatbesitz

Eric Isenburger: Tanzende, 1930, Öl auf Leinwand auf Hartfaser

Liying Zhu und Changhuan Xia

In der Dr. Helmut und Constanze Meyer Kunststiftung bewahrt das Kunstmuseum Bayreuth Werke von vielen bekannten Künstlern der Moderne, die im Nationalsozialismus als „entartet“ verfemt worden waren. Erstmals in Bayern zeigt das Kunstmuseum nun eine Ausstellung über das jüdische Künstlerpaar, den Maler Eric und die Ausdruckstänzerin Jula Isenburger.

Fakten
Ausstellungsdauer: 10.6. – 14.10.2018

1902 in Frankfurt in einem jüdischen Elternhaus geboren, absolvierte Eric Isenburger dort seine Ausbildung, machte mehrere Studienreisen, u. a. nach Barcelona, und erlebte erste Erfolge als Maler. In Frankfurt lernte er auch die polnische Jüdin Jula Elenbogen kennen. Das Paar heiratete und lebte Ende der zwanziger Jahre während Julas Tanzausbildung und ersten Engagements in Wien, wo Eric als freischaffender Künstler und Bühnengestalter arbeitete. Dort waren sie befreundet mit zahlreichen jungen Tänzerinnen und Tänzern, darunter auch Manon Chafour, die in Berlin Karriere machen sollte und auch bei den Bayreuther Festspielen auftrat. 

1931 zogen die Isenburgers nach Berlin, wo Eric Isenburger seine Karriere als Maler der Moderne fortentwickelte, während Jula in der Mary-Wigman-Schule wirkte. Eine erste große Ausstellung Anfang 1933 in der Galerie Wolfgang Gurlitts wurde sehr gut besprochen. Sein von der Gegenständlichkeit der Zwanziger Jahre geprägtes Werk mit Porträts - immer wieder und in unterschiedlichen Rollen porträtierte er vor allem seine Frau Jula -, aber auch mit Landschaften und Stillleben und seiner ganz eigenständigen, expressiven und gestischen Handschrift wurde sehr gelobt. 

Doch kurz nach der Eröffnung riet Gurlitt den Künstlern, die bereits Repressalien durch die Nationalsozialisten ausgesetzt waren, das Land zu verlassen. In Paris und Südfrankreich lebten sie ein bescheidenes Leben. Unter schwierigen Bedingungen beschickte Eric Isenburger von dort aus Ausstellungen in Stockholm, London und New York und erhielt dort Anerkennung, während Jula unter dem Künstlernamen „Jula Geris“ in Paris als Tänzerin auftrat. 

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden beide – wie so viele deutsche Flüchtlinge – interniert. Mit Unterstützung von Malraux, Gide und Matisse kamen sie schließlich frei und erhielten 1941 ein Visum für die USA. Über Lissabon erreichten sie New York, wo sie die amerikanische Staatsbürgerschaft annahmen und sich ein neues Leben aufbauten: Eric Isenburger unterrichtete an der Yale-University und war als Porträtmaler erfolgreich. Ihre Karriere als Tänzerin setzte Jula dort allerdings nicht fort.

Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Museum Giersch der Goethe-Universität in Frankfurt und dem Kunstmuseum Solingen / Zentrum für Verfolgte Künste.

Ein reichhaltiger Katalog und ein umfassendes Vermittlungsprogramm begleiten die Ausstellung in Bayreuth: Zur Eröffnung wird eine Tanzperformance über das Leben des Malers Eric und der Tänzerin Jula Isenburger von Anika Schmidt uraufgeführt. Der Historiker Hannes Heer wird einen Vortrag über "Entartete Kunst" halten, Albrecht Dümling ein Konzert mit „Musik aus dem Exil“ moderieren, und der „Erste Literarische Salon“ wird sich dem Thema „Verbrannte Literatur“ widmen. Dazu gibt es zahlreiche Führungen, Vorträge, Lesungen und praktische Kurse.

Donnerstag, 28. Juni 2018, 18 Uhr: Gesprächskonzert "Musik aus dem Exil" moderiert von Dr. Albrecht Dümling.

Mit Liying Zhu (Gitarre) und Changhuan Xia (Flöte)

Gespielt werden: 

- Johann Sebastian Bach (1685-1750): Sonate e-Moll für Querflöte und bezifferten Bass (Gitarre), BWV 1034 (1720)

- Alexandre Tansman (1897-1986): Suite in modo polonico für Gitarre (1962)

- Ursula Mamlok (1923-2016): Five Intermezzi for guitar (1984-92)

- Mario Castelnuovo-Tedesco (1895-1968): Sonatina für Flöte und Gitarre op. 205 (1965) 

„Die Kunstpolitik der NS-Diktatur bemühte sich um die Ausschaltung des „Fremden“, womit nicht zuletzt Künstler jüdischer Herkunft gemeint waren. Die junge Berliner Musikerin Ursula Mamlok durfte deshalb keine deutsche Musikschule besuchen; 1939 floh sie mit ihren Eltern nach Ecuador. Ebenfalls 1939 vertrieben die Rassengesetze des faschistischen Italien den Komponisten Mario Castelnuovo-Tedesco in die USA. Auch der aus Polen stammende Alexandre Tansman, der das von deutschen Truppen besetzte Paris verlassen hatte, fand 1941 Zuflucht in den Vereinigten Staaten, wo er wie Mamlok und Castelnuovo-Tedesco seine Musikerkarriere ungehindert fortsetzen konnte. Das von Albrecht Dümling kommentierte Gesprächskonzert beginnt mit einem Komponisten, der für alle erwähnten Musiker eine wichtige Orientierung bedeutete: Johann Sebastian Bach.“ (Albrecht Dümling) 

Liying Zhu, in Kunming in der chinesischen Provinz Yunnan geboren, zeigte schon als Kind ihre außergewöhnliche Begabung für die Gitarre. So wurde sie im Alter von 11 Jahren in die Klasse des führenden Gitarrenlehrers Chinas, Chen Zhi, in Beijing (Peking) aufgenommen. Schon während ihres Bachelor-Studiums bei Prof. Chen war sie bei Wettbewerben in Los Angeles und Wien erfolgreich. 2013-15 absolvierte sie ihr Master-Studium bei Prof. Alfred Eickholt an der Hochschule für Musik und Tanz Köln/Wuppertal. Im März 2018 legte sie dort ihr Konzertexamen ab.

2014/2015 belegte Liying Zhu drei erste Plätze bei internationalen Wettbewerben, u.a. bei den Gitarrenfestspielen Nürtingen und Koblenz. Seitdem konzertiert sie erfolgreich als Solistin und Mitglied des Beijing Angels Guitar Quartet in verschiedenen Ländern Asiens, Europas und den USA. 2015 feierte Liying Zhu ihr Debüt in der Carnegie Hall in New York. 2016 legte sie ihre erste Solo-CD (Besondere Begegnung) vor, auf der sie Werke von Agustin Barrios Mangoré, Benjamin Britten, Napoléon Coste, Anton Diabelli und John Dowland einspielte. 

Changhuan Xia wurde 1994 in der zentralchinesischen Millionenstadt Wuhan geboren. Er begann seine Musikausbildung im Alter von 10 Jahren. Von 2010 bis 2013 studierte er am Musikkonservatorium seiner Heimatstadt Querflöte als Hauptfach. In dieser Zeit besuchte er in Beijing und Shanghai Meisterkurse bei James Galway und Emmanuel Pahud. Ende 2013 kam Changhuan Xia nach Berlin, wo er bei Martin Glück weiteren Unterricht nahm. Im Herbst 2014 wechselte er an die Hochschule für Musik und Theater Köln/Wuppertal zu Prof. Dirk Peppel. Changhuan Xia trat im Februar 2018 im Duo mit Liying Zhu in einem Konzert in Bochum auf. Im März 2018 gewann er zusammen mit Liying Zhu beim 14. Wuppertaler Musikwettbewerb für Studierende der Musikhochschulen in NRW den 3. Preis für die Wertung "Gitarre plus X".

Dr. Albrecht Dümling lebt als Musikwissenschaftler und -kritiker in Berlin. 1978 promovierte er bei Carl Dahlhaus mit einer Arbeit über Arnold Schönberg und Stefan George und war danach bis 1998 Musikkritiker des Berliner Tagesspiegel. Heute ist er Mitarbeiter der Neuen Musikzeitung und verschiedener Rundfunkanstalten. Die von ihm rekonstruierte und kommentierte NS-Ausstellung Entartete Musik reiste weltweit in über 70 Städte und war zuletzt im Richard Wagner Museum Bayreuth zu sehen. Seit 1990 leitet Dümling den Förderverein musica reanimata, der sich mit Gesprächskonzerten und Buchveröffentlichungen für NS-verfolgte Komponisten und ihre Werke einsetzt. Für diese Aktivitäten wurde er 2007 mit dem Europäischen Kulturpreis KAIROS ausgezeichnet. 

Passend zum Thema

Absage der Ausstellung "Joan Jonas: A pioneer of Video and Performance"

Haus der Kunst München. Jörg Immendorff - Ausstellung: 14.09.2018 - 27.01.2019

Vorschau. Haus der Kunst München. Vivan Sundaram: Disjunctures. 29.06.2018 - 07.10.2018

Mehr aus der Rubrik

Ausstellung: Heimataufnahmen von Fotograf Bernd Lippert im Landratsamt Bayreuth

Die Sammlung Hermann Hugo Neithold an der Schwelle zur Moderne. Literarischer Salon am 20. Januar

Kunstverein Bayreuth e.V. – Ausstellungsinformationen Januar 2019: WELF SCHIEFER "Altworms". 97. Kabinettausstellung der Kunstvereins Bayreuth vom 20. Januar bis 24. April 2019

Teilen: