17.08.2018

von B° RB

Theatrum Mundi

Barockes Welttheater, Bühnenfestspiel, Spektakel. Sonderausstellung vom 18. Juli bis 4. November 2018 im Richard Wagner Museum Bayreuth. "Amor Mundi!" – Ein Festival der Welt-Zuwendung vom 22. bis 24. August 2018

Villa Wahnfried

Im Sommer 2018 untersucht das Richard Wagner Museum Bayreuth den Begriff des Welttheaters in Kooperation mit der Hochschule Hof/Campus Münchberg, dem Iwalewahaus Bayreuth und der BayFinK. Die Ausstellung nähert sich auf drei „Bühnen“ multimedial dem barocken Welttheater, Richard Wagners Gesamtkunstwerk der Bayreuther Festspiele und Guy Debords „Gesellschaft des Spektakels“. Ihre Fragen nach Inszenierung und Inhalt, Schein und Sein, Rolle und Selbstbestimmtheit haben im Zeitalter von Social Media nichts an Aktualität und Prägnanz verloren. 

Zur Sonderausstellung „Theatrum Mundi“

„Die ganze Welt ist eine Bühne.“ – Dieser zum geflügelten Wort gewordene Satz William Shakespeares besitzt im Zeitalter des Barock besondere Gültigkeit: Die Idee, das irdische Leben sei purer Schein und eine göttliche Inszenierung, in der jeder Mensch die ihm zugewiesene Rolle zu spielen habe, ist Fundament der europäischen Weltsicht im 17. und 18. Jahrhundert. In höfischen Festen und dem sich verbreitenden multimedialen Gesamtkunstwerk der Oper inszenieren und spiegeln die damaligen Herrscher diese Welt als vorgebliche Vertreter Gottes zu dessen Lob und zum eigenen Machterhalt. 

Unter völlig anderen Vorzeichen verwirklicht sich im bürgerlichen Zeitalter des 19. Jahrhunderts die Idee des „Theatrum Mundi“ (Welttheater) wohl nirgends nachdrücklicher als in Richard Wagners Gesamtkunstwerk der Bayreuther Festspiele. Vor allem im „Ring des Nibelungen“ spiegelt sich eine überkommene Ordnung aus Aristokratie, korrupter Finanzwelt und dekadenter Politik, die zu überwinden Wagners Ziel ist, um sie durch eine „ästhetische Weltordnung“ zu ersetzen. 

Hundert Jahre später, zu Beginn der studentischen Unruhen des Mai 1968, konstatiert der französische Autor Guy Debord, dass die Menschen in einer „Gesellschaft des Spektakels“ leben, einer Scheinwelt des Konsumismus, in der die ‚Wirtschaft’ die Rollen zum alleinigen Zweck des zeitlosen Selbsterhalts verteilt – eine Feststellung, die auch im Zeitalter von Social Media nichts an Aktualität und Prägnanz verloren hat. 

In Kooperation mit der Hochschule Hof/Campus Münchberg, dem Iwalewahaus Bayreuth und BayFinK nimmt das Richard Wagner Museum Bayreuth die Wiedereröffnung des UNESCO-Weltkulturerbes Markgräfliches Opernhaus zum Anlass, um in seiner diesjährigen Sommerausstellung dem Begriff des Welttheaters nachzuspüren. 

Mit den multimedialen Mitteln unserer Zeit nähert sich die Ausstellung den Fragen nach Inszenierung und Inhalt, Schein und Sein, Rolle und Selbstbestimmtheit als Gemeinsamkeit von barocker Oper, Wagners Gesamtkunstwerk und den heutigen virtuellen Realitäten des Internets gleichermaßen. 

Kooperationen

In Kooperation mit der Hochschule Hof/Campus Münchberg, dem Iwalewahaus Bayreuth und BayFinK nimmt das Richard Wagner Museum Bayreuth die Wiedereröffnung des Markgräflichen Opernhauses zum Anlass, um in seiner diesjährigen Sommerausstellung dem Begriff des Welttheaters nachzuspüren. Integraler Bestandteil der Ausstellung ist ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm von Juli bis Oktober 2018, das den performativen Charakter des Theatrum Mundi widerspiegelt. 

„Amor Mundi!“ – Ein Festival der Welt-Zuwendung vom 22. bis 24. August 2018

Das Festival im Rahmen der Ausstellung „Theatrum Mundi“ am Richard Wagner Museum zelebriert Welt-Zugewandtheit und Verantwortlichkeit in politisch bewegten Zeiten. 

„Amor Mundi“ ist ein Begriff aus der philosophischen Welt von Hannah Arendt und bedeutet „Liebe zur Welt“. Aber nicht in einem schwärmerischen Sinne, sondern als Leitfaden für eine kritische Befassung mit der Welt, in der wir leben. 2018 bedeutet das: ntwertete Biographien, fake news, Hypermedialisierung. Wenn das auch wirkt, als sei es Theater, Spektakel und Schein, so sind die Effekte dieser Politiken real und einschneidend: Sie versperren Zugang, sie kosten Leben. Was hilft, ist eine kritische Hinwendung zur Welt als reale, als gestaltbare. Gerade mit den Mitteln des Theaters und der Fiktion. 

Das Festival „Amor Mundi!“ im Rahmen der Ausstellung „Theatrum Mundi“ am Richard Wagner Museum zelebriert diese Welt-Zugewandtheit und Verantwortlichkeit in politisch bewegten Zeiten. „Liebe zur Welt“ heißt: Haben wir den Mut, die Welt zu gestalten, und dies mit den Mitteln der radikalen Imagination zu tun. Stellen wir uns vor, welche Ideen aus unerwarteten Konstellationen entstehen können – zum Beispiel, wenn wir Afro-Futurismus und Gesamtkunstwerk zusammendenken, Sun Ra und Richard Wagner in Dialog bringen. Oder Morton Feldman und Richard Wagner ein Gespräch beginnen lassen. Oder überlegen, wie der Geruch einer Stadt wohl klingt. Oder wenn wir Theater spielen, Kulissen basteln, uns selbst als handelnd immer neu erfinden und dabei großes Vergnügen haben. 

„Amor Mundi!“ ist ein kleines Festival gegen Resignation und Rückschritt, das gemeinsames Befragen und Gestalten von Welt-Ordnungen zum Thema hat. Das die Liebe feiert: die radikale, schaffende Liebe. 

Als Gäste begrüßen wir: Die Künstlerin und Wissenschaftlerin Hannah Catherine Jones (London), den multisensorischen Künstler und Musiker Steloolive (Accra/Ghana) und den Komponisten und Musiker Simon Vincent (London). 

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