Richard Wagner Festspielhaus in Bayreuth

Richard Wagner Festspielhaus in Bayreuth

Das Bayreuther Festspielhaus ist ein Festspielhaus auf dem Grünen Hügel in Bayreuth. Anders als die meisten Opernhäuser hat es kein festes Ensemble und keinen regelmäßigen Spielbetrieb, sondern wird jedes Jahr ausschließlich vom 25. Juli bis 28. August im Rahmen der Richard-Wagner-Festspiele mit Opern von Richard Wagner bespielt. Es wird als eines der Opernhäuser mit der weltweit besten Akustik angesehen.

Erste Anregungen für sein späteres Festspielhaus erfuhr Richard Wagner, wie sein aus Riga stammender Biograph Carl Friedrich Glasenapp behauptete, bereits während seiner Kapellmeisterzeit in Riga (1837/39). Das dortige Theater soll bereits viele Elemente besessen haben, die sich im Bayreuther Festspielhaus wiederfinden: ein stark ansteigendes Parkett in Form eines Amphitheaters, ein tiefliegender Orchestergraben und eine Verdunkelung des Zuschauerraums, die damals nicht allgemein üblich war.

1864, als Wagner die Dichtung seines Ring des Nibelungen abschloss, formulierte er auch seine Idee eines Opernfestspiels. Zu den „Gesangsfesten“ und „Turnfesten“ der Zeit solle auch ein „Theaterfest“ hinzukommen.

Die Aufführungen sollten in einer eher kleinen Stadt in einem schmucklosen Theater stattfinden; der Zuschauerraum müsse als Amphitheater angelegt und das Orchester in jedem Fall verdeckt sein.

1871 besuchte Richard Wagner Bayreuth, um das Markgräfliche Opernhaus zu besichtigen. Da dieses seinerzeit über die größte Bühne eines deutschen Opernhauses verfügte, hatte er die Hoffnung, dort die geeignete Spielstätte für seinen Ring des Nibelungen zu finden und seine Idee eines Opernfestspiels zu etablieren. Wegen der geringen Größe des Zuschauerraums musste er diesen Plan aufgeben, doch gefielen Wagner die Lage und Größe der Stadt, sodass er alsbald konkrete Vorarbeiten für den Bau einleitete.

Das Grundstück erhielt Wagner kostenlos von der Stadt Bayreuth. Die architektonische Planung nahm Otto Brückwald vor. Bereits am 22. Mai 1872, Wagners 59. Geburtstag, konnte der Grundstein gelegt werden. Aus diesem Anlass dirigierte Wagner Beethovens 9. Sinfonie im Markgräflichen Opernhaus.

Am 2. August 1873 konnte Richtfest gefeiert werden und es konnte schließlich am 13. August 1876 mit dem Rheingold eröffnet werden, womit die erste zyklische Aufführung des Ring des Nibelungen eingeleitet wurde.

Wegen des Defizits der ersten Festspiele stand das Haus danach sechs Jahre lang leer, erst 1882 wurden die nächsten Festspiele durchgeführt, die der Uraufführung des Parsifal gewidmet waren.

Zu den Festspielen 1882 wurde das Haus auch um den „Königsbau“ an der Stirnseite erweitert.

Zuschauerraum und Bühnenhaus sind in Fachwerk-Bauweise ausgeführt, wobei das ursprüngliche Holzfachwerk bei Renovierungen ab den 1960er Jahren durch ein Tragwerk aus Beton und Stahl ersetzt wurde. Der Außenbau ist weitgehend aus rotem Ziegelstein und kommt fast ohne dekorativen Schmuck aus, was dem Haus auch die despektierliche Bezeichnung „Scheune“ eingetragen hat.

Mit der Erinnerung an „flüchtig gezimmerte Festhallen“ sollte nach Wagners Worten ein volkstümlicher Eindruck erweckt und eine „Nachahmung des ausländischen Wesens“ vermieden werden.

Das Bühnenportal ist 11,80 m hoch und 13 m breit. Die maximale Bühnenbreite beträgt 27 m. Die Hauptbühne hat eine Tiefe von 22 m, hinzu kommt eine bespielbare Hinterbühne von 13 m Tiefe. Die Gesamtlänge des Theaters vom Hauptportal bis zum Ende der Hinterbühne beträgt 100 m. Der Schnürboden liegt 26 m, der Dachfirst 36,40 m über dem Bühnenniveau. Die Bühnenversenkung hat eine maximale Tiefe von 13 m.

Der Zuschauerraum besteht aus völlig gleichmäßig ansteigenden Sitzreihen nach Vorbild antiker Amphitheater, wodurch eine nahezu ideale Sicht von fast allen Plätzen gewährleistet ist.

Wegen der Lagerung des Fußbodens auf einer Holzkonstruktion sowie der Ausführung selbst von Pfeilern und Säulen aus Holz - diese sind nur mit Gips versehen, um den Eindruck von Stein zu imitieren - sind hervorragende akustische Bedingungen geboten.

Nach Wagners Worten handelte es sich um ein provisorisches Theater. Aufgrund der unübertrefflichen Akustik wurde später aber nicht mehr erwogen, es durch ein Gebäude aus Stein zu ersetzen.

Das Haus bietet heute, nach diversen Umbauten, Platz für 1974 Zuschauer.

Der Zuschauerraum ist von Scherwänden flankiert. Diese setzen sich in einem doppelten Proszenium fort, das angelegt wurde, um den optischen Eindruck zu erwecken, die Bühne sei weiter entfernt, als sie es in Wirklichkeit ist.

Die Tatsache, dass Wagner sich von Anfang an intensiv an der Planung des Theatergebäudes beteiligte, führte zu zahlreichen Neuerungen aus theaterpraktischen Gründen. Dazu gehört neben der Gestaltung des Zuschauerraums auch z. B. die „Wagner-Gardine“, ein Bühnenvorhang, der sich irisblendenartig zugleich nach oben und zur Seite öffnet.

Ein besonderes Anliegen Wagners war die starke Verdunkelung des Theaterraums, damit nichts den Zuschauer vom Geschehen auf der Bühne ablenken sollte. Zur vollständigen Dunkelheit kam es aber eher durch Zufall, nämlich durch eine technische Panne: die neuartige Gasbeleuchtung des Zuschauerraumes war erst am Tag der ersten Vorstellung im Festspielhaus fertig geworden und konnte nicht mehr ausprobiert und justiert werden. Dadurch kam es statt zu einer Dämpfung des Lichts beim Beginn der Vorstellung zum vollständigen Ausfall der Beleuchtung mit totaler Finsternis. Man behielt das schließlich bei, da die Wirkung der Intention Wagners entgegenkam.

Damit war mit der Theaterpraxis des 18. und 19. Jahrhunderts gebrochen, als der Zuschauerraum beleuchtet und allenfalls nur in ein mäßiges Halbdunkel getaucht war.

Die bauliche Konsequenz der Vorstellung Wagners, der nicht wollte, dass die "Mühe der Tonerzeugung" sichtbar blieb, war ein Schalldeckel über dem Orchestergraben, der zudem die Aufgabe hatte, Lichtreflexe von den Pultbeleuchtungen der Orchestermusiker nicht in den Zuschauerraum gelangen zu lassen, aber in seiner Ausführung auch die Akustik günstig beeinflusste und den typischen Bayreuther "Mischklang" entstehen ließ.

 „Mystischer Abgrund“ nannte Richard Wagner den Abstand zwischen erstem und zweitem Proszenium, in dem der Schalldeckel über dem Orchestergraben das für die Zuschauer unsichtbare Orchester im Bayreuther Festspielhaus verbirgt. Dieses verdeckte Orchester sollte die Bühnenillusion verstärken indem jede Ablenkung von der Bühne und die „widerwärtige Störung durch die stets sich aufdrängende Sichtbarkeit des technischen Apparates“ verhindert wurde.

Die „Idealität“ der Szene sollte von der „Realität“ des Publikums geschieden sein, um die Zuschauer „in den begeisterten Zustand des Hellsehens" zu versetzen.Der hölzerne Schalldeckel besteht aus zwei Teilen: einer muschelförmigen Sichtblende am Rand zwischen Orchestergraben und Zuschauerrängen und einer Klangblende, die am Bühnenrand angebracht ist und den Orchestergraben teilweise überdeckt.Der untypische Orchesterraum ist vom Publikum aus gänzlich uneinsehbar und führt terrassenförmig auf 6 Stufen nach unten bis unter die Bühne. Dies hat zur Konsequenz, dass der Dirigent die einzige Person im Festspielhaus ist, die zugleich Bühne und den Orchestergraben einsehen kann.

Zusammen mit der ausgezeichneten Akustik des Hauses ergibt sich ein Mischklang, der die Lokalisierung einzelner Instrumente kaum möglich macht. Stattdessen wird ein Orchesterklang erreicht, der sich „allgegenwärtig“ im Raum ausbreitet.

Der abgedeckte Orchestergraben hat allerdings auch noch ganz praktische Auswirkungen: da der Klang der – von den Musikern schräg gehaltenen – Violinen ohnehin nur indirekt beim Zuhörer ankommt, besteht ihre vorrangige Aufgabe darin, den Sängern musikalischen Halt zu geben. Aus diesem Grund wird bis heute in Bayreuth die von Wagner selbst vorgeschriebene abweichende Sitzordnung beachtet:

Die Ersten Violinen, die im Orchester die Führungsstimme haben, sitzen nicht wie üblich links, sondern rechts vom Dirigenten. Die Anordnung der Streicher ist gegenüber der üblichen Sitzordnung also seitenverkehrt, was bei den Dirigenten bis heute regelmäßig zu Verwirrung führt.

Träger des Bayreuther Festpielhauses ist seit 1973 die Richard-Wagner-Stiftung Bayreuth. Stiftungsmitglieder sind die Bundesrepublik Deutschland, der Freistaat Bayern, die Stadt Bayreuth, die Gesellschaft der Freunde von Bayreuth, die Bayerische Landesstiftung, die Oberfrankenstiftung, der Bezirk Oberfranken und Mitglieder der Familie Wagner. Geschäftsführer des Stiftungsrates ist der Oberbürgermeister der Stadt Bayreuth.